E-Auto überzeugt nicht alle

von Sarah Peinelt

Als die Bundesregierung erklärte, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen haben zu wollen, nannten viele das Vorhaben ambitioniert. Das gebe die Infrastruktur nicht her, sagten Kritiker. Mehr als 30 Unternehmer und Behörden in Sachsen-Anhalt haben jetzt getestet, wie es um die Elektromobilität hierzulande bestellt ist. Ihre Zwischenbilanz fällt gemischt aus.

Wenn Anja Bresch den Motor startet, hört man nichts. Kein Motorengeräusch, kein vertrautes Vibrieren. Doch daran hat sie sich gewöhnt. Denn Anja Bresch und ihre Kollegen von den Halberstadtwerken haben in den vergangenen Tagen mehrfach ein Elektroauto im Arbeitsalltag getestet. Die Stadtwerke sind Teil der Aktion eFlotte – elektromobil unterwegs.

Diese wurde vom Land Sachsen-Anhalt initiiert und wird von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) betreut. Bis zum Ende der Aktion am Freitag testeten 31 Unternehmen und öffentliche Verwaltungen aus ganz Sachsen-Anhalt Elektroautos und Hybridfahrzeuge auf ihre Alltagstauglichkeit.

Bis zu acht Stunden Ladezeit

„Das Auto lässt sich sehr angenehm fahren und überzeugt vor allem beim Gasgeben, das Fahrzeug zieht ordentlich an“, sagt Anja Bresch gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Während der Testphase wurde das E-Auto vor allem für Dienstfahrten in Halberstadt und Umkreis genutzt. Auf einer Fahrt in das 20 Kilometer entfernte Blankenburg stellte Anja Bresch allerdings bereits eine Schwachstelle des Autos fest. „Da es kühl war, habe ich Heizung und Sitzheizung eingeschaltet. Dadurch fiel die Reichweite gleich um 20 Kilometer.“ Für Fahrer von Elektroautos heißt das: Es kommt auf die richtige Planung an.

Denn bisher gibt es nur vereinzelt öffentliche Ladestationen in Sachsen-Anhalt. Anja Bresch nutzte deshalb die Ladestation auf dem Gelände der Stadtwerke, weil es in Halberstadt keine öffentliche Lademöglichkeit gibt. Die befinden sich nämlich meist in Ballungsgebieten wie Magdeburg und Halle.

e-flotte-02 Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Anja Bresch von den Halberstadtwerken hat in den vergangenen Tagen ein Elektrofahrzeug getestet und ist nicht restlos überzeugt. Die bisher nicht ausreichenden Ladestationen in Sachsen-Anhalt senken die Attraktivität der Elektrofahrzeuge, sagt Prof. Dr. Hartmut Zadek. Er forscht an der Maschinenbau-Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg. „Bisher sind wir weit entfernt von einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur“, so Zadek.

Das gelte nicht nur für Sachsen-Anhalt, sondern bundesweit. „Wenn keine Ladeinfrastruktur da ist, will auch keiner E-Autos fahren.“

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit rund 60 Ladestationen für Elektroautos. Da an jeder Station mindestens zwei Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden können, ergibt das insgesamt rund 120 bis 150 Ladepunkte. Das Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2020 rund eine Million Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben. Damit das gelingt, soll auch die Ladeinfrastruktur verbessert werden. Nach Hartmut Zadeks Meinung müssten bis 2020 insgesamt 400 bis 500 Ladepunkte in Sachsen-Anhalt installiert sein – und das flächendeckend.

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Zu Jahresbeginn rund 230 Elektroautos in Sachsen-Anhalt

Zum Jahresbeginn waren 232 E-Autos in Sachsen-Anhalt zugelassen. Doch es sind nicht nur fehlende Lademöglichkeiten, auch die Reichweite pro Ladung überzeugt viele Autofahrer noch nicht. Hartmut Zadek sieht darin aber nicht das Hauptproblem. „Bis spätestens 2020 werden die E-Autos Reichweiten um die 300 Kilometer pro Ladung haben. Stadtbewohner legen durchschnittlich weniger als 100 Kilometer pro Tag zurück. Das können die Fahrzeuge bereits heute.“

Vielmehr müsse das Misstrauen abgebaut und mit den Elektrofahrzeugen Erfahrungen gesammelt werden. So sei auch die Aktion „eFlotte“ eine gute Möglichkeit, um die neue Technik auszuprobieren. Flottenbetreiber und Zweitwagenbesitzer seien schon jetzt prädestinierte Nutzer von Elektrofahrzeugen, denkt Zadek.

e-staionen

René Reulecke, Vertriebsleiter der Halberstadtwerke, ist zwar überzeugt von Elektromobilität. Dennoch will auch er die Entwicklung der kommenden Jahre abwarten. „Wir werden für die Halberstadtwerke in den nächsten ein bis zwei Jahren noch kein E-Fahrzeug anschaffen“, sagt Reulecke. Weil die Monteure der Stadtwerke oft weite Strecken zurücklegen müssten, sehe er in der begrenzten Fahrleistung durchaus ein Problem.

e-flotte-03Bis zu acht Stunden musste Anja Bresch einkalkulieren, bis das Elektroauto einen vollen Stromtank hatte.Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Alexander Kirste von der NASA zieht derweil eine positive Zwischenbilanz der Initiative: „Die Tester sind sehr zufrieden, die Autos funktionieren wunderbar auch im Alltagsgeschehen. Es gibt kritisches Feedback, insbesondere in Bezug auf Lademöglichkeiten und Ladedauer der Fahrzeuge.“ In den nächsten Wochen würden die Ergebnisse ausgewertet. Ziel ist es laut NASA, Elektromobilität in Sachsen-Anhalt in Zukunft weiterhin zu fördern.

Anja Bresch nimmt es aus dem Test unterschiedliche Erfahrungen mit. Trotz komfortablen Fahrgefühls hat das Elektroauto den Test in Sachen Alltagstauglichkeit bei ihr nicht bestanden. „Wenn man auf das Firmenfahrzeug angewiesen ist, ist die Reichweite zu unsicher“, sagt Bresch. Und auch die Ladedauer sei nicht zu unterschätzen. Bis der Stromtank voll war, vergingen bis zu acht Stunden.